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Ikigai im C-Level: Warum die Sinnsuche mehr Sichtweite braucht

  • Autorenbild: Christian
    Christian
  • 15. Aug. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag



Stell dir vor, du sitzt in einer jener Sitzungen, in denen die Luft im Raum so dick ist wie der Nebel in deiner Organisation. Draußen verlangt der Markt nach Transformation, drinnen mahlen politische Mühlen das Tempo zu Staub. Du spürst den Entscheidungsdruck, die Last der Verantwortung, die oft nur du allein trägst. In solchen Momenten der Isolation suchen viele nach einem Kompass – und landen fast zwangsläufig beim Ikigai-Diagramm.


Vier Kreise, die versprechen, dass dort, wo sich Leidenschaft, Mission, Beruf und Bezahlung kreuzen, die Antwort liegt.


Dieses Modell hat seine Berechtigung. Es ist ein wertvoller erster Entwurf für die berufliche Selbstreflexion. Doch für dich – in der Realität hochgradig interdependenter Systeme – bleibt dieses Venn-Diagramm oft zu abstrakt. Wenn du hunderte Mitarbeiter führst und asynchrone Dynamiken im Team moderieren musst, hilft dir die Suche nach der einen „magischen Mitte“ kaum dabei, den nächsten strategischen Impuls zu setzen.


Im dichten Nebel der Transformation brauchst du keinen bunten Kompass, sondern Sichtweite und Vortrieb.


Der Weg zu dieser Sichtweite führt weg von der vereinfachten westlichen Interpretation und zurück zum japanischen Original. Dort ist Ikigai keine statische Formel, sondern ein Betriebssystem für die tägliche Wirksamkeit. Es geht nicht um die eine große Lebensaufgabe, sondern um die Qualität deiner Steuerung.


Um aus der Abstraktion in die Umsetzung zu kommen, werden wir in dieser 7-teiligen Artikelreihe das japanische Konzept sezieren und die fünf Säulen des Ikigai in deine Lebensrealität als Entscheider übersetzen:


1. Iterative Prozess-Souveränität (Ursprünglich: Klein anfangen) 


Im japanischen Kontext geht es um den ersten Schritt. Für dich bedeutet es, die Lähmung durch zu große, komplexe Zielbilder zu durchbrechen. Wirksamkeit entsteht hier nicht durch den perfekten Masterplan, sondern durch das Auflösen der ersten, konkreten Blockade. Es ist der präzise Schnitt, der wieder Bewegung ins System bringt.


2. Absorption von Unsicherheit (Ursprünglich: Sich selbst loslassen) 


Das bedeutet, das eigene Ego aus der Schusslinie zu nehmen. Wenn du aufhörst, die Antwort selbst sein zu wollen, gewinnst du die Freiheit, das Schachbrett unbestochen zu lesen. Du wirst zur regulativen Instanz, die Klarheit schafft, gerade weil sie nicht mehr selbst im Zentrum der emotionalen Dynamik steht.


3. Systemische Resonanz (Ursprünglich: Harmonie und Nachhaltigkeit) 


Keine Weichspülerei, sondern die Ordnung zwischen deinen Werten und den harten Anforderungen deiner Stakeholder-Landschaft. Es ist eine Führungswirksamkeit, die nicht auf Verschleiß setzt, sondern die Dynamik des Systems nutzt, um Vortrieb zu erzeugen, statt gegen sie anzuarbeiten.


4. Präzision an den Schaltstellen (Ursprünglich: Die Freude an kleinen Dingen)


Statt auf den einen „Big Win“ zu warten, liegt die Souveränität in der Qualität der Mikro-Momente. Eine klare Entscheidung in einem zähen Meeting, die Ruhe in einem Krisengespräch. Das ist der eigentliche Treibstoff, der deine kognitive Kapazität schont und dich durch den Nebel führt.


5. Kognitive Kapazität im Flow (Ursprünglich: Im Hier und Jetzt sein) 


Der Zustand, in dem die Komplexität aufhört zu lärmen. Keine Ablenkung durch politische Spielchen oder das Reagieren auf Nebenschauplätze. Nur du und der notwendige Impuls, der jetzt die Richtung vorgibt. Maximale Präsenz als Voraussetzung für maximale Wirksamkeit.


Ikigai ist in diesem Sinne nicht einfach ein Management-Tool. Es ist die Fähigkeit, in einem lebenden System aufrecht zu stehen, ohne funktional zu erstarren. Es ist das Werkzeug, das dir hilft, die Manövrierfähigkeit zu behalten, wenn der Druck am höchsten ist. In den kommenden Wochen werden wir jede dieser Säulen einzeln betrachten und prüfen, wie sie deine Wirksamkeit konkret erhöht.


Wenn du das nächste Mal vor einer Entscheidung stehst, die sich bleischwer anfühlt, frag dich nicht, ob sie in ein Diagramm passt. Frag dich: Erzeugt dieser Impuls gerade echten Vortrieb oder verwalte ich nur den Nebel?


Wo in deinem System spürst du gerade eine Reibung, die du bisher mit der Suche nach „Sinn“ erklärt hast, die aber eigentlich nach einer klaren Entscheidung verlangt?


Ausblick: Im nächsten Teil dieser Reihe tauchen wir tief in die erste Säule ein: „Iterative Prozess-Souveränität“. Wir schauen uns an, wie du durch das japanische Prinzip des „Klein-Anfangens“ die Handlungsfähigkeit zurückgewinnst, wenn das Gesamtsystem bereits blockiert scheint.


 
 
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