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Iterative Prozess-Souveränität – Warum „Klein anfangen“ die höchste Form der Steuerung ist

  • Autorenbild: Christian
    Christian
  • 26. Aug. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 1 Tag

Vielleicht kennst du das Szenario: Ein Transformationsprojekt von enormer strategischer Tragweite stockt. Die Komplexität ist mittlerweile so hoch, dass jede Entscheidung neue Abhängigkeiten schafft, die das System weiter lähmen. In der Theorie hast du den Masterplan, in der Praxis regiert der Stillstand. Der Nebel ist so dicht, dass der Versuch, das „große Ganze“ zu bewegen, nur noch mehr Reibung erzeugt.


In der westlichen Management-Logik antworten wir darauf oft mit noch mehr Planung, noch mehr Governance, noch mehr Druck. Doch das japanische Original des Ikigai bietet einen anderen Hebel: Kodawari – die Hingabe zum kleinen Detail, oder wie ich es hier nenne: Iterative Prozess-Souveränität.


Weg von der „Karriere-Revolution“, hin zum präzisen Schnitt


In populärwissenschaftlichen Texten wird diese erste Säule oft als „Klein anfangen“ belächelt – als ginge es darum, lediglich die erste E-Mail zu schreiben. Für dich als Entscheider bedeutet es etwas völlig anderes: Es ist das chirurgische Auflösen von Komplexitätsstaus durch gezielte, bewältigbare Impulse.


Wenn das Gesamtsystem blockiert, gewinnst du die Sichtweite nicht durch den Blick auf den fernen Gipfel zurück, sondern durch die Konzentration auf die nächste logische Einheit, die du tatsächlich kontrollieren kannst.


Kaizen als Werkzeug der Manövrierfähigkeit


Oft wird das Kaizen-Prinzip (kontinuierliche Verbesserung) als reines Fließband-Werkzeug missverstanden. In der Realität des C-Levels ist es ein Werkzeug der Absorption von Unsicherheit.


  1. Reduktion der Fehlertoleranz-Angst: Indem du den Fokus auf die nächste iterative Einheit legst, senkst du die Hemmschwelle für notwendige Entscheidungen. Du erzeugst Vortrieb, statt auf die „perfekte“ Datenlage zu warten.

  2. Rückkopplung statt Blindflug: Kleine Schritte liefern sofortige Daten aus dem System. Du siehst, wie die Organisation reagiert, bevor du das nächste schwere Geschütz auffährst.


  3. Wiederherstellung der Selbstwirksamkeit: Nichts ist für eine Führungskraft ermüdender als Wirkungslosigkeit. Der Erfolg im Kleinen ist der Treibstoff, der die kognitive Kapazität für die großen strategischen Weichenstellungen freisetzt.


Die Umsetzung: Den ersten Dominostein identifizieren


Vergiss für einen Moment die Roadmap für das nächste Halbjahr. Schau auf die aktuelle Woche. Wo im System ist die Reibung gerade am größten? Welcher kleine, chirurgische Impuls könnte dort den Druck nehmen, ohne das gesamte Gebilde ins Wanken zu bringen?


Das ist keine Bescheidenheit. Es ist die höchste Form der Souveränität: Die Anerkennung, dass man ein komplexes System nicht bricht, sondern es durch präzise Impulse navigiert.


Ausblick: Im nächsten Teil verlassen wir die Ebene der Prozesse und gehen an den Kern deiner Rolle: In Säule 2 schauen wir uns an, wie du durch die Absorption von Unsicherheit (Sich selbst loslassen) die Freiheit gewinnst, das Schachbrett unbestochen zu lesen.


 
 
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