Wenn Projekte trotz guter Planung scheitern – und warum Emotion der blinde Fleck sein könnte
- Christian

- 17. Juli 2025
- 3 Min. Lesezeit
Projekterfolg braucht mehr als Budget, Zeit und Methoden

Woran scheitern Projekte?
An zu wenig Budget? Zu wenig Zeit? Oder zu wenig Personal?
Ja, auch daran.
Und daran, dass der Faktor Emotion systematisch unterschätzt wird – gerade in komplexen, strategisch relevanten Vorhaben.
Schulungen zu Projekt- und Changemanagement gehören heute zum Standard. Doch was hilft das Wissen über emotionale Dynamiken im Team, wenn der Umgang damit nicht Teil der Führungspraxis ist?
Die psychologischen Mechanismen in Veränderungsprozessen zu verstehen, heißt noch nicht, sie wirksam steuern zu können.
Gerade bei Widerständen zeigt sich: Die Ursachen sind so vielfältig wie die handelnden Personen.
Niemand ist pauschal dagegen. Jeder, der sich querstellt, hat persönliche Gründe.
Diese Gründe erfährt man nicht in Change-Seminaren. Und selbst wenn sie bekannt sind, führt das nicht automatisch zur Lösung.
Spätestens dann verhärten sich die Fronten – wenn dieselben Informationen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen führen, weil unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen.
Wenn jeder glaubt, im Recht zu sein, greifen klassische Moderations- und Konfliktlösungsansätze oft zu kurz.
Der Versuch, emotionale Konflikte auf Sachebene zu lösen, erzeugt oft nur scheinbaren Konsens – Lippenbekenntnisse, die den Konflikt auf eine unsichtbare Ebene verlagern.
Intern wird verzögert, taktiert, blockiert, während von außen alles in Ordnung erscheint.
Bis alles nicht mehr in Ordnung ist.
Emotionale Faktoren als unterschätztes Projektrisiko
1. Emotionale Intelligenz macht Projekte erfolgreicher
In einer groß angelegten Studie mit 533 Projektleitern zeigte sich: Je höher die emotionale Intelligenz, desto höher die Erfolgsquote.
EI wirkt sowohl auf Projektsteuerung als auch auf die Beziehungsgestaltung mit Stakeholdern – zwei zentrale Erfolgsfaktoren für jedes Projekt.
2. Direkte Korrelation zwischen EI und Projekterfolg
Eine Untersuchung mit 200 Projektverantwortlichen belegt: Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen emotionaler Intelligenz und Projektleistung (Zeit, Qualität, Zufriedenheit).
Wer emotional kompetent führt, meistert Komplexität wirksamer.
3. Stimmungsübertragung im Projektteam
Emotionen sind ansteckend – auch in Projektkontexten.
Negative Stimmung auf Führungsebene überträgt sich auf Teams, führt zu Konflikten, Abstimmungsproblemen und Leistungsverlust.
4. Emotionale Erschöpfung als Risiko für den Projekterfolg
Burnout im Projektumfeld betrifft nicht nur Einzelne – es schwächt ganze Teams.
Laut Affective Events Theory wirken sich wiederholte negative Emotionen direkt auf Leistung und Bindung aus. Wer erschöpft ist, zieht sich zurück. Projekte verlieren an Energie und Richtung.
5. Fehlende psychologische Sicherheit im Team
Eine repräsentative Studie zeigte: Teams mit psychologischer Sicherheit haben bis zu 97 % höhere Erfolgschancen.
Wo kein Raum für Fehler, Zweifel oder Unsicherheit ist, bleiben kritische Themen unausgesprochen. Das gefährdet jedes Projekt – selbst wenn alles andere stimmt.
Warum klassische Projektlogik nicht ausreicht
Viele Projekte scheitern nicht an der Planung – sondern an den unausgesprochenen emotionalen Spannungen.
Diese mit sachlichen Tools lösen zu wollen, greift oft zu kurz.
Kompromisse wirken nach außen tragfähig, bleiben nach innen wirkungslos. Der Konflikt verlagert sich. Irgendwann ist es nicht mehr zu übersehen.
Führung in Veränderung: Emotionen professionell handhaben
Führungskräfte, die Verantwortung für ihre Emotionen übernehmen, handeln klarer, gelassener und wirksamer – gerade in Projekten mit hoher Komplexität oder Unsicherheit.
In meiner Arbeit unterstütze ich Führungspersönlichkeiten, zuerst bei sich selbst anzusetzen.
Denn: Wer sich selbst besser steuert, schafft Raum für andere Perspektiven, Emotionen – und tragfähige Lösungen.
Dann wird aus „zuhören, um zu antworten“ ein „zuhören, um zu verstehen“.
Oder sogar: ein „zuhören, um zu ermöglichen“.
Handlungsempfehlungen für Entscheider
Stell dir für dein nächstes Projekt folgende Fragen:
Gibt es in meinen Teams Raum für emotionale Themen im Projekt?
Wie sicher fühlen sich Schlüsselpersonen, offen über Zweifel oder Spannungen zu sprechen?
Ist emotionale Selbstführung Bestandteil unserer Führungskultur?
Welche Rolle spielt psychologische Sicherheit im Projekt-Setup?
Was tust du konkret, um Führung in Veränderung langfristig wirksam zu halten?
Fazit: Projekterfolg beginnt mit emotionaler Klarheit
Emotionale Faktoren im Projektkontext sind kein weicher Nebenaspekt – sie sind oft der zentrale Hebel.
Wer sie ignoriert, riskiert Scheitern.
Wer sie professionell adressiert, schafft die Basis für stabile Umsetzung, starke Führung und nachhaltige Veränderung.
Wenn du spürst, dass bei einem eurer Vorhaben nicht die Methode das Problem ist, sondern die Stimmung:
Dann ist jetzt der richtige Moment, hinzusehen.
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Hinweis: Wenn du dich zu
diesem Thema vertraulich austauschen möchtest – ob als Geschäftsführer, Bereichsleitung oder Projektverantwortliche*r – melde dich gern bei mir.


